Nach dem eindrucksvollen Auswärtssieg beim Chemnitzer FC hat der FC Rot-Weiß Erfurt auch im eigenen Stadion nachgelegt und sich vor 6.143 Zuschauern im Steigerwaldstadion mit 3:2 gegen Hertha BSC II durchgesetzt.
Für unsere Mannschaft war es zugleich der erste Heimsieg im neuen Jahr und ein weiterer wichtiger Erfolg im Kampf um die Spitzenplätze. Vor allem in der ersten Halbzeit bekamen die Zuschauer ein intensives, temporeiches und offensiv geführtes Spiel zu sehen, in dem beide Mannschaften den Weg nach vorn suchten. Nach dem Seitenwechsel änderte sich der Charakter der Partie spürbar: Rot-Weiß verteidigte den Vorsprung mit großem Einsatz, Hertha drängte auf den Ausgleich, doch am Ende blieben die drei Punkte verdient in Erfurt.
Die Vorzeichen hätten aus Erfurter Sicht kaum besser sein können. Der überzeugende 4:0-Erfolg in Chemnitz hatte der Mannschaft von Fabian Gerber reichlich Selbstvertrauen gegeben, dazu sorgte die unmittelbar vor dem Anpfiff verkündete Vertragsverlängerung von Kapitän Til Linus Schwarz bis 2027 für zusätzliche Euphorie auf den Rängen. Entsprechend stimmungsvoll war die Atmosphäre unter Flutlicht im Steigerwaldstadion. Auf dem Platz entwickelte sich von Beginn an ein lebendiges Spiel mit offenem Visier. Unsere Mannschaft suchte früh den Weg nach vorn und kam bereits in der Anfangsphase zu guten Möglichkeiten. Schon in der 4. Minute setzte sich Raphael Assibey-Mensah über die linke Seite durch und kam flach zum Abschluss, doch Hertha-Keeper Heide parierte zur Ecke. Nur wenig später hatte Rot-Weiß die große Chance zur Führung: Nach einem Ballgewinn bediente Pablo Santana Soares Obed Ugondu auf der linken Seite, der wiederum Mensah mit einem starken Flugball einsetzte. Raphael Assibey-Mensah nahm den Ball gut mit, zögerte im direkten Duell mit Heide jedoch einen Moment zu lange, sodass der Berliner Schlussmann klären konnte.
Trotz des mutigen Beginns unserer Mannschaft gingen zunächst die Gäste in Führung. In der 10. Minute nutzte Oliver Rölke einen Steckpass, tauchte frei vor Lorenz Otto auf und schob zum 0:1 ein. Unsere Mannschaft ließ sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil: Rot-Weiß reagierte mit einer starken Phase, erhöhte die Intensität und belohnte sich mit drei Treffern innerhalb kurzer Zeit.
Der Ausgleich fiel in der 20. Minute und war das Resultat eines sehenswert vorgetragenen Angriffs. Über die rechte Seite wurde Assibey-Mensah bedient, der den Ball flach und mustergültig in den Rückraum legte, wo Lucas Falcão eingelaufen war und mit dem linken Fuß zum 1:1 vollendete. Der Treffer gab unserer Mannschaft noch mehr Sicherheit, und nur drei Minuten später war das Spiel gedreht. Nach mehreren Klärungsversuchen der Berliner landete der Ball im Rückraum bei Marco Wolf, der aus guter Position abzog. Sein Schuss wurde noch abgefälscht und war dadurch für Heide unhaltbar, 2:1 für Rot-Weiß in der 23. Minute.
Damit aber nicht genug: Unsere Mannschaft blieb am Drücker, spielte weiter zielstrebig nach vorn und nutzte die Unsicherheiten der Gäste konsequent aus. In der 29. Minute folgte das 3:1 und auch dieser Treffer war Ausdruck der spielerisch starken Phase. Moritz gewann den Ball in der eigenen Hälfte, Falcão löste die Drucksituation mit einer klugen Hackenablage, Wolf hatte im Zentrum viel Raum und schickte Obed Ugondu über links auf die Reise. Obed Ugondu setzte sich im Eins-gegen-eins stark durch, ließ seinen Gegenspieler stehen und schloss überlegt ins lange Eck ab. Rot-Weiß hatte das Spiel damit innerhalb von nur neun Minuten komplett gedreht und sich die Führung in dieser Phase absolut verdient erarbeitet.
Auch danach blieb unsere Mannschaft gefährlich. Immer wieder gelang es, mit Tempo und guten Kombinationen hinter die Berliner Kette zu kommen. Ugondu traf in der 42. Minute sogar zum vermeintlichen 4:2, doch der Treffer wurde wegen Abseits aberkannt. Statt mit einem Zwei-Tore-Polster mehr in die Pause zu gehen, musste Rot-Weiß kurz vor dem Seitenwechsel noch einmal einen Rückschlag hinnehmen. Nach einem Ballverlust im Spielaufbau schaltete Hertha schnell um, Ben-Hatira kam über die linke Seite und seine Hereingabe wurde zunächst geklärt, landete aber direkt vor den Füßen von Soufian Gouram. Der Berliner ließ sich die Chance nicht entgehen und traf in der 39. Minute mit einem platzierten Schuss zum 3:2. So ging es mit einer knappen Führung in die Halbzeit – in einem ersten Durchgang, in dem Rot-Weiß spielerisch überzeugte, sich für den hohen Aufwand offensiv belohnte, sich durch den späten Gegentreffer aber um eine noch komfortablere Ausgangslage brachte.
Nach dem Wiederanpfiff veränderte sich die Partie deutlich. Während die erste Hälfte von einem offenen Schlagabtausch und vielen klaren Offensivaktionen geprägt gewesen war, wurde das Spiel nun taktischer und umkämpfter. Beide Mannschaften tasteten sich zunächst ab, echte Torchancen blieben in den ersten Minuten nach der Pause aus. Rot-Weiß versuchte weiterhin, geordnet nach vorn zu spielen, kam unter anderem über Falcão und Mensah zu einer guten Aktion, bei der der letzte Kontakt jedoch nicht sauber genug war. Insgesamt gewann Hertha im weiteren Verlauf aber zunehmend mehr Spielanteile. Unsere Mannschaft verteidigte kompakter und konzentrierte sich stärker darauf, die Räume eng zu machen und den Vorsprung zu sichern.
In dieser Phase war vor allem die Defensivarbeit gefragt, und Rot-Weiß stemmte sich mit großem Einsatz gegen die Berliner Angriffe. In der 57. Minute musste Lorenz Otto sein ganzes Können zeigen, als Berner nach einem langen Ball frei vor ihm auftauchte. Unser Schlussmann machte sich groß, vergrößerte stark seine Körperfläche und verhinderte mit einer wichtigen Parade den möglichen Ausgleich. Auch wenig später blieb es gefährlich, als Hertha über die linke Seite zu einer guten Hereingabe kam, Richter im Strafraum zum Abschluss kam, den Ball aber links am Tor vorbeisetzte.
Besonders brenzlig wurde es in der 71. Minute. Nach einem taktischen Foul bekam Hertha einen Freistoß aus guter Position zugesprochen. Anis Ben-Hatira übernahm die Ausführung und setzte den Ball mit viel Wucht an die Latte. In dieser Szene hatte Rot-Weiß zweifellos das nötige Quäntchen Glück, das man in engen Spielen braucht. Insgesamt zeigte unsere Mannschaft in der zweiten Halbzeit jedoch genau die Tugenden, die solche Partien entscheiden können: Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Disziplin und die Bereitschaft, auch in schwierigen Phasen gemeinsam gegen den Ball zu arbeiten.
Gleichzeitig boten sich für Rot-Weiß in der Schlussphase mehrfach gute Gelegenheiten, die Partie endgültig zu entscheiden. Nach 74 Minuten kamen mit Sejdo Durakov und Stanislav Fehler zwei frische Kräfte, die sofort für neue Impulse sorgten. In der 86. Minute spielte Obed Ugondu einen überragenden Außenristpass in den Lauf von Sejdo Durakov, der frei vor Heide auftauchte, im Eins-gegen-eins jedoch am Berliner Torhüter scheiterte. Nur wenig später lief unsere Mannschaft sogar in Überzahl auf das gegnerische Tor zu, brachte den letzten Pass aber nicht sauber an den Mann, sodass auch diese große Kontermöglichkeit ungenutzt blieb. In der Nachspielzeit bot sich Sejdo Durakov nach einem Fehler der Hertha-Abwehr eine weitere Chance auf das 4:2, doch erneut blieb Heide Sieger.
So blieb es bis in die Schlussminuten spannend, doch Rot-Weiß ließ sich den Vorsprung nicht mehr nehmen. Auch wenn die Partie mit etwas mehr Konsequenz in den Umschaltmomenten schon früher hätte entschieden werden können, verteidigte unsere Mannschaft den knappen Vorsprung letztlich mit viel Leidenschaft und brachte den Sieg über die Zeit. Unterm Strich stand damit ein verdienter 3:2-Erfolg, der vor allem auf einer starken ersten Halbzeit basierte. Rot-Weiß überzeugte in dieser Phase mit mutigem Offensivspiel, Effizienz und Spielfreude, musste nach der Pause zwar mehr leiden, hielt dem Druck aber stand und sicherte sich so drei wichtige Punkte im Steigerwaldstadion.
Nathan Fuakala (5) kommt für Lucas Bradley Falcao Cini ()
Stanislav Fehler (11) kommt für Raphael Assibey-Mensah (7)
Sejdo Durakov (54) kommt für Marco Ferdinand Wolf (10)
Nathan Justin Allen Claxton (19) kommt für Til Linus Schwarz (3)
Tor durch Obed Chidindu Ugondu (13)
Tor durch Marco Ferdinand Wolf (10)


