Der FC Rot-Weiß Erfurt hat ein packendes, hochintensives Regionalliga-Spiel beim FSV Zwickau trotz Führung noch mit 1:2 verloren. In der GGZ-Arena entwickelte sich über 97 Minuten ein echtes Fußballspiel mit zwei aberkannten Zwickauer Treffern, zwei Platzverweisen, einem Elfmeter und einer dramatischen Schlussphase. Am Ende hatten die Gastgeber das bessere Ende für sich und drehten die Partie in der Schlussviertelstunde.
Vor 7.445 Zuschauern begann das Ostduell bei sommerlichen Bedingungen und 25 Grad mit viel Schwung auf beiden Seiten. Beide Mannschaften gingen punktgleich mit jeweils 59 Zählern in den 32. Spieltag der Regionalliga Nordost. Rot-Weiß reiste als Tabellenvierter nach Sachsen, Zwickau lag unmittelbar dahinter auf Rang fünf. Entsprechend viel stand auf dem Spiel, und genau so wurde die Begegnung auch geführt.
Schon in der ersten Minute musste die Erfurter Defensive hellwach sein. Eine scharfe Hereingabe der Gastgeber von der rechten Seite konnte Maxime Awoudja gerade noch zur Ecke klären. Auch Rot-Weiß fand früh in die Partie: Obed Ugondu wurde links steil geschickt und legte für Raphael Assibey-Mensah auf, dessen Schlenzer aus rund 17 Metern jedoch eine sichere Beute für FSV-Torhüter Hiemann wurde. Kurz darauf kam Wolf nach einer Flanke von Ben-Luca Moritz zum Abschluss, setzte den Ball aber deutlich über das Tor.
Die Anfangsphase zeigte schnell, worauf sich die Zuschauer einstellen konnten: Zwickau suchte immer wieder das schnelle Umschaltspiel nach Ballgewinnen, während Rot-Weiß längere Ballbesitzphasen hatte und versuchte, spielerisch in die gefährlichen Räume zu kommen. Nach neun Minuten erarbeitete sich Rot-Weiß die erste Ecke, nachdem Benny Boboy sich gut durchgesetzt hatte. Til Linus Schwarz verlängerte am zweiten Pfosten per Kopf in die Mitte, fand dort aber keinen Abnehmer.
Zwickau blieb vor allem über die rechte Seite gefährlich. Martens brachte mehrfach scharfe Hereingaben in den Erfurter Strafraum, doch zunächst fehlte den Gastgebern die letzte Präzision. Auf der Gegenseite hatte Rot-Weiß in der 21. Minute die bis dahin größte Chance: Obed Ugondu setzte sich im letzten Drittel stark durch und legte auf Falcão zurück. Der nahm aus 16 Metern Maß und jagte den Ball an den rechten Winkel und die Latte.
Die Partie blieb offen und intensiv. In der 29. Minute gab es Chancen auf beiden Seiten: Erst kombinierten sich die Zwickauer bis in den Fünfmeterraum, wo Awoudja im letzten Moment klären konnte. Direkt im Gegenzug ging es schnell durch das Zentrum über Caciel, der Ugondu in die Spitze schickte. Dessen Linksschuss war jedoch nicht druckvoll genug, um Hiemann ernsthaft zu überwinden.
Mit zunehmender Spieldauer wurde das Spiel körperlicher. Beide Teams schenkten sich nichts, die Zweikämpfe wurden härter. Die erste Gelbe Karte sah Daniel Haubner in der 33. Minute, nachdem er unsere Nummer zehn kurz hinter der Mittellinie zu Fall gebracht hatte. Kurz darauf hatte Zwickau die große Gelegenheit zur Führung: Nach einem Erfurter Ballverlust im Zentrum schaltete Martens schnell und bediente Sezer, der frei auf Lorenz Otto zulief. Der Schlussmann blieb lange stehen, machte sich breit und parierte stark mit dem langen Bein.
In der 40. Minute jubelte die GGZ-Arena erstmals vermeintlich. Nach einem Freistoß aus halblinker Position kam Fobassam Nawe frei zum Kopfball und traf ins Tor. Die Tormusik lief bereits, doch der Assistent hob die Fahne. Der Treffer zählte wegen Abseits nicht. So ging es trotz zahlreicher Möglichkeiten auf beiden Seiten torlos in die Halbzeitpause.
Nach dem Seitenwechsel kam Rot-Weiß unverändert aus der Kabine und erwischte den perfekten Start. In der 47. Minute eroberte unser FC RWE den Ball am linken Seitenrand. Obed Ugondu zog in Richtung Strafraum, erkannte, dass Hiemann noch nicht wieder optimal im Tor positioniert war, und schob den Ball flach in die lange Ecke. Ein cleverer Abschluss, der Rot-Weiß mit 1:0 in Führung brachte.
Der Treffer gab den Erfurtern Auftrieb. In der 51. Minute bediente Falcao Ugondu, dessen Versuch in Richtung langer Pfosten allerdings deutlich über das Tor ging. Kurz zuvor hatte Lennert Möbius nach einem Trikotziehen gegen Benny Boboy die Gelbe Karte gesehen. Rot-Weiß blieb gefährlich und hatte in der 54. Minute die große Chance auf das zweite Tor: Nach einer Balleroberung am eigenen Strafraum ging es blitzschnell über Marco Wolf und Benjika Caciel nach vorne. Benjika Caciel schickte Raphael Assibey-Mensah in die Tiefe, der sich gegen seinen Gegenspieler behauptete, aber im Eins-gegen-eins an Hiemann scheiterte.
Nur drei Minuten später lag der Ball beinahe erneut im Zwickauer Tor. Sejdo Durakov setzte sich im Strafraum stark durch, der Ball landete bei Assibey-Mensah, der mit links abschloss. Hiemann war bereits geschlagen, doch ein Zwickauer Feldspieler rettete auf der Linie. Rot-Weiß verpasste in dieser Phase die große Möglichkeit, die Führung auszubauen.
In der 59. Minute hatte Erfurt dann Glück. Nach einem erneuten Fehler im Aufbauspiel schaltete Zwickau schnell um. Martens spielte auf Ziemer, der von der Strafraumlinie abzog. Lorenz Otto lenkte den Ball noch an die Latte, der Abpraller wurde von den Gastgebern über die Linie gedrückt. Doch erneut ging die Fahne hoch: zweites Abseitstor für den FSV.
Wenig später wurde es hektisch. In der 62. Minute hielt Schwarz Martens auf Höhe der Mittellinie fest. Anschließend kam es zu einer weiteren Aktion, bei der Schwarz zu Boden ging. Nach Beratung der Unparteiischen sah Martens die Rote Karte, offenbar wegen eines Einsatzes mit dem Ellenbogen. Til Linus Schwarz wurde für das vorherige Halten mit Gelb verwarnt. Rot-Weiß war damit in Überzahl.
Diese Überzahl hielt jedoch nicht bis zum Ende. Zunächst zog sich Zwickau etwas weiter zurück und stand tiefer in der eigenen Hälfte. FC RWE suchte weiter den Weg nach vorne. In der 68. Minute landete ein langer Einwurf von Ben-Luca Moritz über Umwege bei Falcão, der es spektakulär mit einem Fallrückzieher probierte. Hiemann war aufmerksam und hielt den Ball fest.
In der 72. Minute wurde die Partie unterbrochen. Auslöser war eine rassistische Beleidigung von der Tribüne gegen einen Spieler unseres FC Rot-Weiß Erfurt. Nach Rücksprache der Unparteiischen folgte eine Stadiondurchsage, in der dazu aufgerufen wurde, Beleidigungen und abfällige Kommentare gegen Spieler zu unterlassen. Für uns ist klar: Rassismus hat im Fußball und in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir verurteilen diesen Vorfall ausdrücklich und tolerieren keinerlei Form von Diskriminierung. Anschließend wurde die Partie fortgesetzt.
Zwickau wechselte mehrfach und brachte unter anderem Luca Prasse, Jonas Dittrich, Lucas Albert und Marc-Philipp Zimmermann. In der 77. Minute gab es Elfmeter für den FSV. Vorausgegangen war ein Erfurter Ballverlust im Aufbauspiel. Zimmermann kam im Strafraum an den Ball, ließ Lorenz Otto aussteigen und schloss Richtung Tor ab. Schwarz klärte den Ball im Fallen mit der Hand und sah dafür Gelb-Rot. Rot-Weiß war nur noch zu zehnt. Luca Prasse trat in der 79. Minute an und verwandelte den Strafstoß zum 1:1.
Nur drei Minuten später drehte Zwickau die Partie vollständig. Die Gastgeber kamen über ihre rechte Seite durch und spielten den Ball ins Zentrum. Dort stand Marc-Philipp Zimmermann richtig und traf aus kurzer Distanz zum 2:1.
Rot-Weiß gab sich jedoch nicht geschlagen und warf in der Schlussphase alles nach vorne. Stanislav Fehler kam in der 84. Minute für Sejdo Durakov. Kurz darauf sah Jonas Dittrich nach einem Foul an Moritz Gelb. Die Erfurter suchten weiter den Ausgleich und hatten in der 87. Minute die nächste gute Möglichkeit: Ein langer Einwurf von Ben-Luca Moritz landete vor den Füßen von Wolf, der mit rechts abschloss. Hiemann parierte.
Die größte Chance zum 2:2 folgte in der 89. Minute. Ein Ball hinter die Kette erreichte Falcão, der auf Fehler weiterleitete. Der Joker kam frei zum Abschluss, doch Hiemann machte sich groß und verhinderte den Ausgleich. Auch in der siebenminütigen Nachspielzeit blieben unsere Rot-Weißen dran. Über Wolf und Falcao kam der Ball am Strafraum erneut zu Fehler, dessen Abschluss knapp am langen Pfosten vorbeiging. Assibey-Mensah hatte ebenfalls noch eine Möglichkeit, zielte aber zu zentral. Eine letzte Ecke brachte nichts mehr ein, obwohl sogar Torhüter Otto mit nach vorne gegangen war.
Nach 97 intensiven Minuten war Schluss. Der FSV Zwickau gewann das direkte Duell mit 2:1 und zog dadurch in der Tabelle an Rot-Weiß Erfurt vorbei. Die Sachsen überholten zudem den Halleschen FC und stehen nun auf dem dritten Tabellenplatz. Rot-Weiß beendet den Spieltag auf Rang fünf.
Für unseren FC RWE bleibt eine bittere Niederlage in einem Spiel, das lange in die eigene Richtung lief. Die Mannschaft zeigte eine engagierte Leistung, erspielte sich zahlreiche Chancen und hatte mehrfach die Möglichkeit, den zweiten Treffer nachzulegen. Am Ende entschieden jedoch die Zwickauer Effizienz in der Schlussphase, der verwandelte Elfmeter und Zimmermanns Treffer aus kurzer Distanz das Spiel zugunsten der Gastgeber.
Cheftrainer Fabian Gerber ordnete die Partie nach Abpfiff entsprechend ein. „Es war wieder einmal ein Spektakel mit unserer Beteiligung – leider zu oft mit dem falschen Ausgang für uns“, sagte Gerber auf der Pressekonferenz. Trotz der Niederlage sah Fabian Gerber einen deutlichen Schritt seiner Mannschaft: „Wir sind gut ins Spiel gekommen und wollten Zwickau vor große Probleme stellen. Die Aggressivität und Mentalität, die ich zuletzt etwas vermisst habe, habe ich heute gesehen.“ Rot-Weiß habe von Beginn an versucht, dominant aufzutreten, „einfach und schnell Fußball gespielt“ und über weite Strecken ein echtes „Power-Play“ abgeliefert. Am Ende bleibe dennoch die bittere Erkenntnis, „so ein Spiel extrem unglücklich verloren“ zu haben
Den mitgereisten Rot-Weißen gilt ein großer Dank für die zahlreiche Unterstützung vor Ort. Weiter geht es in der kommenden Woche mit dem letzten Heimspiel der Saison gegen Hertha Zehlendorf im Steigerwaldstadion.
Stanislav Fehler (11) kommt für Sejdo Durakov (54)
Tor durch Obed Chidindu Ugondu (13)


