Es gab wohl nur Wenige, die vor dem Spiel am Samstag mit einem Sieg des FC Rot-Weiß Erfurt gerechnet hätten. Zu klar schienen die Rollen verteilt.

Es gab wohl nur Wenige, die vor dem Spiel am Samstag mit einem Sieg des FC Rot-Weiß Erfurt gerechnet hätten. Zu klar schienen die Rollen verteilt.

Bei den Aufstellungen erste Überraschungen. Steffen Baumgart ließ beim SCP die Stammspieler Strohdiek (Kapitän), Herzenbruch, Bertels und vor allem Torjäger Michel auf der Bank nach dem Pokalspiel vom Dienstag gegen den FC Bayern München.


Gute Nachrichten dafür auf RWE-Seite – der schmerzlich vermisste Jens Möckel war wieder im Team.


In der 29. Minute jedoch erneut eine Hiobsbotschaft für Rot-Weiß – nach Eckball für RWE war Marcel Kaffenberger beim Kopfball mit einem Mannschaftskameraden zusammen gestoßen. Nachdem er es noch einige Minuten probierte, gab er dann selbst das Zeichen zum Auswechseln. Bastian Kurz ersetzte ihn.

Für Marcel Kaffenberger alles Gute, gute Genesung und die Hoffnung aller, dass es hoffentlich nur ein „Brummschädel“ ist.


Jens Möckel mit Andre Laurito als Innenverteidigung, flankiert von Odak und Kwame auf den Außenverteidigerpositionen – so schuf RWE bereits in den ersten 45 Minuten ein für den amtierenden Spitzenreiter nicht zu überwindendes Abwehrbollwerk.

Einzig Jens Möckel unterlief anfangs ein Querschläger, der fast zu einem Eigentor geworden wäre und kurz für Aufregung sorgte.

Der weiter in den Spielrhythmus gekommene Liridon Vocaj arbeitete als „Staubsauger“ vor der Abwehr und wurde großartig unterstützt von den mitkämpfenden Theodor Bergmann und Marcel Kaffenberger – später Bastian Kurz - im zentralen Mittelfeld.

Dieses Trio fing in den ersten 45 Minuten bereits sehr viel im Paderborner Spielaufbau ab oder zwang den SCP immer wieder zu einem breit gezogenen Spiel, in das der Spitzenreiter kein Tempo in der Offensive bekam. So wurde der SC Paderborn immer wieder von den beiden dichten, tief stehenden Abwehrketten des RWE abgefangen. Spätestens an der Strafraumlinie war für den Spitzenreiter Endstation. Laurito, Möckel, Kwame räumten dort resolut alles auf.

Dass der SC Paderborn insgesamt ein deutliches Plus an Ballbesitz und Spielanteilen hatte, half wenig auf dem sehr tiefen und kraftraubenden Platz.


Taktisch war das hervorragend gespielt von Rot-Weiß. Untersetzt mit Kampfgeist jedes Spielers sowie einem klasse Teamwork, fielen Fehler einzelner kaum ins Gewicht.

Erst in der 45. Minute deutete der SCP an, warum er an der Tabellenspitze steht und so viele Tore geschossen hat. Ein flacher vertikaler Pass in unseren Strafraum erreichte Leon Fesser. Der Paderborner Innenverteidiger drehte sich im Stil eines Ronny König (FSV Zwickau) um Andre Laurito herum und zog sofort aus ca. 11 Metern ab. Klewin parierte glänzend mit dem rechten Fuß.

Das sollte in den gesamten 90 Minuten Klewins einzige Parade bleiben.


Bei den vielen abgefangenen Bällen in der ersten Halbzeit versuchte RWE es offensiv im Gegenzug mit schnellen, langen flachen Bällen in die Spitze zu Crnkic, Huth und Kammlott.

Leider verpuffte das oft durch unpräzises, teilweise auch überhastetes Spiel.

Der Spitzenreiter SC Paderborn war in der Abwehr sehr aufmerksam und gestattete RWE kaum Abschlussmöglichkeiten in der 1. Halbzeit – die klarste hatte noch Crnkic, der frei vom linken Strafraumeck abziehen konnte, den Ball jedoch über das Tor setzte (43.).


So ging es mit einem doch schon etwas überraschenden 0:0 in die Kabinen.

Mit Beginn der 2. Halbzeit setze sich das Geschehen auf dem Platz vollkommen identisch zur ersten Halbzeit fort. Paderborn wieder mit dem breit gefächerten Spielaufbau und dem Versuch, nach vorn zu spielen – ohne Erfolg gegen die sattelfeste RWE-Abwehr.


Dabei schoben die Ostwestfalen – das konnte man bereits in der ersten Halbzeit häufig beobachten – immer weiter ihre Reihen nach vorn. Bei eigenem Ballbesitz war der Torhüter in der Mitte der eigenen Hälfte eine Art Innenverteidiger beim Spielaufbau in einer weit auseinander stehenden Dreier-Kette. Hochriskant – das sollte sich innerhalb von 3 Minuten auch sehr negativ gegen den SC Paderborn richten.

In der ersten Szene in der 64. Minute spielt Zingerling in dieser Formation einen unpräzisen Pass zu Schonlau nach rechts. Crnkic startete sofort in diese Aktion hinein und wird gut 20 Meter vor dem Tor von Schonlau gefoult – sonst wäre er allein auf das Tor zugelaufen. Schiedsrichterin Frau Steinhaus zieht hier sofort rot gegen Schonlau – eine sicher harte Entscheidung, die nicht jeder Schiedsrichter so geben mag. Anschließender Freistoß aus einer Position, von der Theodor Bergmann letzte Saison den Siegtreffer in Paderborn für Rot-Weiß erzielte. Diesmal lenkt Torwart Zingerling den Ball knapp um den linken Pfosten.

In der 66. Minute spielen die Ostwestfalen erneut in dieser 3er-Kette weit vor dem eigenen Tor unpräzise vor dem eigenen Strafraum – diesmal passt Elias Huth auf. Er eilt sofort dazwischen und wird von Torwart Zingerling gut 10 Meter vor dem Strafraum abgeräumt. Huth wäre sonst frei gewesen Richtung leeres Tor. Erneut rot – diesmal für Paderborns Torwart Zingerling. Damit 11 Erfurter gegen 9 Paderborner. Freistoß RWE aus ca. 25 Metern in sehr zentraler Position. Und Theodor Bergmann hat in Paderborn wieder einen in petto. Ersatztorwart Ratajczak hat keine Chance bei Bergmanns Kunstschuß. 1:0 für RWE.

Überglückliche Spieler feierten vor überglücklichen rund 350 RWE-Fans die 1:0-Führung.


In den restlichen 20 Minuten versuchten die Ostwestfalen mit teilweise wütenden, jedoch unpräzisen Offensivaktionen noch den Ausgleich zu erreichen. Auf der anderen Seite spielte Rot-Weiß das ruhig und souverän herunter bis zum Abpiff.

Am Ende der 90 Minuten pfiff Bibiana Steinhaus ein durchaus denkwürdiges Spiel ab, das Rot-Weiß mit einer taktischen Meisterleistung nicht ganz unverdient gewonnen hat.


Der zweite Auswärtssieg der Saison, der vierte Sieg insgesamt. Und erneut gegen ein Spitzenteam. Das sollte die Brust breiter machen im Team.

Allerdings muss man auch konstatieren – wenn Rot-Weiß weiterhin überhaupt eine Chance haben will im Abstiegskampf – dann sollte man neben den Sternstunden wie Magdeburg und Paderborn auch gegen die vermeintlich gleichwertigen Mannschaften aus dem mittleren bis unteren Bereich der Tabelle Punkte holen.

Und damit kann man am nächsten Sonntag um 14:00 Uhr in unserem Steigerwaldstadion gegen den VfR Aalen gleich beginnen.

Der Verein freut sich über zahlreiche Unterstützung in diesem Heimspiel von unseren treuen Fans.

Karten sind hier erhältlich: Ticketshop

Die Stimmen zum Spiel gibt es hier bei RWE.tv.


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Spielverlauf anzeigen 09.02.2018 \ Profis